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Samstag, Juni 6, 2026

Gaslighting – ein gefährliches Phänomen

»Aber ich mag nicht zu tollen Leuten gehen,« bemerkte Alice.
»Oh, das kannst du nicht ändern,« sagte die Katze: »wir sind alle toll hier. Ich bin toll. Du bist toll.«
»Woher weißt du, daß ich toll bin?« fragte Alice.
»Du mußt es sein,« sagte die Katze, »sonst wärest du nicht hergekommen.«

– Lewis Carrolls „Alices Abenteuer im Wunderland

Wir leben in einer Welt, in der das Ausmaß an Desinformation und offenem Lügen schon einen solchen Zustand erreicht hat, dass wir -möglicherweise zum ersten Mal überhaupt- miterleben können, dass die Mehrheit der westlichen Welt beginnt ihren eigenen, sowie den Grad der geistigen Gesundheit ihres gesamten Umfeldes, in Frage zu stellen. Das zunehmend rasende Misstrauen gegenüber allem „Autoritären“ mischte sich mit der verzweifelten Ungläubigkeit, dass „das unmöglich alle dabei mitmachen können!“ Viele wippen langsam hin und her in einer immer enger werdenden Zwangsjacke.
„Alles hinterfragen“ ist zum neuen Motto geworden, aber sind wir überhaupt in der Lage, einige dieser Fragen zu beantworten?

Derzeit ist die Antwort ein klares Nein.

Der kranke Witz der Sozialverhaltensforscher alle zu Beginn einer vermeintlichen Krisenzeit ausgerechnet von Toilettenpapier besessen gemacht zu haben, ist ein Beispiel dafür wie viel Kontrolle sie über diesen Alarmknopf mit der Aufschrift „Beginn der Einleitung einer Stufe 4 Massenpanik“ haben.

Und kann man den Leuten deswegen Vorwürfe machen? Wenn man uns belügt, wie können wir schließlich zu einander finden um mit dem Finger auf die eigentliche Wurzel dieser Zwangsherrschaft zeigen, sind wir doch an einem Punkt angelangt wo sie einfach allgegenwärtig zu sein scheint.

Wie Goebbels schändlicherweise sagte:

„Wenn du eine Lüge groß genug erzählst und sie immer wieder wiederholst, werden die Leute es irgendwann glauben. Die Lüge kann nur so lange aufrechterhalten werden, wie der Staat das Volk vor den politischen, wirtschaftlichen und/oder militärischen Folgen der Lüge schützen kann. Daher wird es für den Staat von entscheidender Bedeutung, alle seine Kräfte einzusetzen, um abweichende Meinungen zu unterdrücken, denn die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, und somit ist die Wahrheit im weiteren Sinne der größte Feind des Staates [unter dem Faschismus].“

Und hier befinden wir uns heute am Abgrund des Faschismus. Allerdings müssen wir zuerst einverstanden erklären, unsere Grundrechte im Kollektiv aufzugeben bevor der Faschismus vollständig dominieren kann. Das heißt, die große Lüge kann sich nur dann durchsetzen wenn die Mehrheit von uns sie nicht herausfordert – denn wenn die Mehrheit sie als das benennt was sie ist, hat sie ihre Kraft verloren.

Der Kampf um deinen Verstand

„Politiker, Priester und Psychiater stehen oft vor dem gleichen Problem: Wie findet man die schnellsten und dauerhaftesten Mittel um den Glauben eines Menschen zu ändern … Das Problem des Arztes und seines nervös kranken Patienten und das des religiösen Führers, der sich auf den Weg macht um Neubekehrte zu gewinnen und zu halten, ist nun zum Problem ganzer Gruppen von Nationen geworden, die nicht nur bestimmte politische Überzeugungen innerhalb ihrer Grenzen bestätigen, sondern auch die Außenwelt missionieren wollen.“

– William Sargant „Kampf des Geistes“

In der Vergangenheit nahm man allgemein und nicht ohne Grundlage an, dass Tyrannei nur unter der Bedingung existieren könne, dass die Menschen Analphabeten bleiben und ihre Unterdrückung nicht kennen. Zu erkennen, dass man „unterdrückt“ war bedeutete, dass man zuerst eine Vorstellung davon haben musste, was „Freiheit“ bedeutet und wenn einem das „Privileg“ erlaubt wurde lesen zu lernen, war diese Entdeckung unvermeidlich.

Wenn die Bildung der Massen die Mehrheit der Bevölkerung zum Lesen und Schreiben bringen könnte, dachte man, dass zwangsläufig die übergeordneten Ideen, diese Art von „gefährlichen Ideen“ wie es Mustapha Mond zum Beispiel in „The Brave New World“ ausdrückt, schnell die Massen zu einer Revolution gegen ihre „Kontrolleure“ organisieren würden. Mit anderen Worten, Wissen ist Freiheit, und Sie können niemanden versklaven, die gelernt hat wie man „denkt“.

Es hat sich jedoch nicht genau so abgespielt, oder?

Der großen Mehrheit von uns steht es frei, alles zu lesen was sie wollen, in Bezug auf die einst „verbotenen Bücher“, wie sie im Index Librorum Prohibitorum1 aufgeführt sind. Wir können alle die Werke lesen die in „The Brave New World“ verboten wurden, insbesondere die Werke von Shakespeare die als absolut gefährliche Formen des „Wissens“ bezeichnet wurden.

Wir sind jetzt sehr frei uns genau das „Gedankengut anzueignen“, das von Tyrannen der Vergangenheit als „Gegenmittel“ gegen ein Leben in Sklaverei anerkannt wurden. Und doch entscheidet sich heute die Mehrheit dagegen..
Es wird -wenn auch nur oberflächlich- anerkannt, dass derjenige, der die Vergangenheit kontrolliert, die Gegenwart und damit die Zukunft zu kontrollieren vermag. George Orwells Buch „1984“ stellt dieses als das wesentliche Merkmal ganz klar heraus, welches es dem Big-Brother-Apparat überhaupt erst ermöglicht, die absolute Kontrolle über Angst, Wahrnehmung und Loyalität gegenüber der Sache der Partei zu behalten, und doch bleibt trotz der Popularität dieses Romans immer noch ein Desinteresse an tatsächlicher Information über die Vergangenheit bestehen.

Welch einen Unterschied macht es überhaupt aus, wenn die Vergangenheit kontrolliert und für die Gegenwart umgeschrieben wird? Wie der Big Brother Vernehmungsbeamte O’Brien zu Winston sagt: „Wir, die Partei, prüfen alle Aufzeichnungen und wir lenken alle Erinnerungen. Dann kontrollieren wir die Vergangenheit, nicht wahr? [Und somit steht es uns frei, es nach Belieben umzuschreiben …]

Natürlich sind wir nicht in der gleichen Situation wie Winston … noch sind wir viel besser dran. Wir können die „Vergangenheit“ studieren und daraus lernen, sofern wir dies wünschen – leider ist dies eine Entscheidung, die viele für selbstverständlich halten. Tatsächlich sind sich viele wahrscheinlich nicht ganz bewusst, dass derzeit auch ein Kampf darüber geführt wird, wer die „Vergangenheit kontrollieren“ wird, und zwar in einer Weise die einer Art „Erinnerungslöschung“ sehr nahe kommt.


William Sargant war ein britischer Psychiater und sozusagen der Vater der „Mind Control“ im Westen, mit Verbindungen zum britischen Geheimdienst und dem Tavistock Institute, das über das Programm MK Ultra Einfluss auf die CIA und das amerikanische Militär nehmen sollte. Sargant war auch ein Berater für Ewen Camerons „Tabula rasa“-Arbeit zu LSD an der McGill University, die von der CIA finanziert wurde.

Sargant begründet seinen Beweggrund Formen der „Gedankenkontrolle“ bei seinen Patienten zu studieren und anzuwenden
(bei welchen es sich hauptsächlich um britische Soldaten handelte, die während des Zweiten Weltkriegs mit verschiedenen Formen von „Psychose“ vom Schlachtfeld nach Hause geschickt wurden) als einzige Möglichkeit extreme Formen von PTBS rehabilitieren zu können.

Der andere Grund war, dass die Sowjets offenbar zu „Experten“ auf diesem Gebiet geworden waren und die Briten aus Gründen der nationalen Sicherheit ebenfalls Experten werden sollten… natürlich nur zur Selbstverteidigung.

Ivan Pavlov, einem russischen Physiologen, war es mit seiner Arbeit gelungen, einige beunruhigend interessante Einblicke in vier primäre Formen des Nervensystems von Hunden zu gewinnen, die Kombinationen von hemmenden und erregenden Stimmungen waren; „stark erregend“, „ausgeglichen“, „passiv“ und „ruhig unerschütterlich“. Pavlov fand heraus, dass abhängig von der Kategorie des Temperaments des Nervensystems, die der Hund hatte, dies wiederum die Form der „Konditionierung“ diktierte, die am besten funktionierte, um das „Verhalten umzuprogrammieren“. Die Zweckdienlichkeit für „menschliche Konditionierung“ ging niemandem verloren.

Im Westen wurde befürchtet, dass solche Techniken nicht allein gegen ihre Soldaten eingesetzt würden um frei fließende, ungehemmte Geständnisse entlocken zu können, sondern dass diese Soldaten als zombifizierte Attentäter und Spione in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden könnten, welche mit einem einfachen Codewort zu aktivieren wären. Zumindest waren dies die Thrillergeschichten und -filme, mit welchen die Bevölkerung bombardiert wurden. Wie entsetzlich! Dass der Feind anscheinend das betreten konnte, was als unser einziger heiliger Boden galt … unser eigentlicher „Geist“!

Für diejenigen jedoch, die tatsächlich führend auf dem Gebiet der Mind Control-Forschung waren, wie William Sargant, war klar, dass Mind Control nicht genau so funktionierte.

Zum einen stand das Thema „freier Wille“ im Weg.

Unabhängig von der Dauer oder dem Grad des Elektroschocks, der Insulin-„Therapie“, der Beruhigungscocktails, des induzierten Komas, des Schlafentzugs, des Hungerns usw. wurde festgestellt, dass, wenn die Person eine „starke Überzeugung“ und einen „starken Glauben“ an etwas hatte, konnte dies nicht einfach gelöscht, nicht beliebig überschrieben werden. Vielmehr müsste das Subjekt die Illusion haben, dass seine „Konditionierung“ tatsächlich eine „Wahl“ war. Dies war eine äußerst herausfordernde Aufgabe, und langfristige Konvertierungen (Monate bis Jahre) waren selten.

Sargant erkannte jedoch einen Ansatz. Es verstand sich, dass man ein neues Individuum nicht von Grund auf neu erschaffen konnte, aber mit der richtigen Konditionierung, die durch abnormalen Stress zu einem körperlichen Zusammenbruch führen sollte (gewissermaßen ein Neustart des Nervensystems), konnte man die „Suggestibilität“ der Testperson deutlich erhöhen.

Sargant schrieb in seinem „Battle of the Mind“: „Pavlovs klinische Beschreibungen der „experimentellen Neurosen“, die er bei Hunden hervorrufen konnte, bewiesen tatsächlich eine enge Übereinstimmung mit jenen Kriegsneurosen, die wir damals untersuchten.”

Darüber hinaus stellte Sargant fest, dass verfälschte implantierte Erinnerungen dazu beitragen können, anormalen Stress hervorzurufen, was zu emotionaler Erschöpfung und einem körperlichem Zusammenbruch führt, um eine „Suggestibilität“ zu aktivieren. Das heißt, man brauchte nicht einmal einen „echten Stress“, sondern ein „eingebildeter Stress“ würde genauso effektiv funktionieren.

Sargant fährt in seinem Buch fort:

„Es ist nicht überraschend, dass die gewöhnliche Person im Allgemeinen viel leichter indoktriniert wird als die anormale … Eine Person wird von der Gemeinschaft einfach als ‚gewöhnlich‘ oder ‚normal‘ angesehen, weil sie die meisten ihrer sozialen Standards und Verhaltensmuster akzeptiert; was in der Tat bedeutet, dass sie für Vorschläge empfänglich ist und überzeugt werden konnte, bei den meisten gewöhnlichen oder auch außergewöhnlichen Situationen mit der Mehrheit zu mitzulaufen.“

Sargant geht dann auf das Phänomen des London Blitz ein, bei dem es sich um eine achtmonatige schwere Bombardierung Londons während des Zweiten Weltkriegs handelte. Während dieser Zeit gewöhnten sich die Menschen schnell an die Vorstellung, dass ihre Nachbarn in bombardierten Häusern um sie herum lebendig begraben werden könnten, um damit fertig zu werden und „gesund“ zu bleiben. Der Gedanke war: „Wenn ich nichts dagegen tun kann, was nützt es, wenn ich mich darum kümmere?“ Die beste „Schutzfunktion“ war also diejenige, die neue „Umgebung“ als gegeben zu akzeptierten und sich nur auf das „Überleben“ zu konzentrierten und nicht zu versuchen sich dagegen zu wehren.

Sargant bemerkt, dass es diese „Anpassungsfähigkeit“ an eine sich verändernde Umgebung ist, die Teil des „Überlebens“-Instinkts und sehr stark bei dem „gesunden“ und „normalen“ Individuum ausgeprägt ist, welches lernen kann, damit umzugehen, und daher trotz dessen weiterhin „funktionsfähig“ bleibt in einer sich ständig verändernden Umgebung.

Es war also unser tief programmierter „Überlebensinstinkt“, der sich als Schlüssel zur Beeinflussbarkeit unseres Geistes herausstellte. Dass die „besten Überlebenden“ sich gewissermaßen mit der „besten Gehirnwäsche“ behalfen.

Sargant zitiert Heckers Arbeit, welche das Phänomen der Tanzmanie untersuchte, das während des Schwarzen Todes auftrat. Hecker beobachtete, dass eine erhöhte Suggestibilität die Fähigkeit hatte, eine Person dazu zu bringen, „Vernunft und Torheit, Gut und Böse mit gleicher Kraft zu umarmen, das Lob der Tugend ebenso wie die Kriminalität des Lasters zu schmälern.“

Und dass ein solcher Gemütszustand mit den ersten Bemühungen des Säuglingsgeistes „dieser Nachahmungstrieb, wenn er im höchsten Grade vorhanden ist, verglichen wurde, ist auch mit einem Verlust aller Macht über den Willen verbunden, der sich einstellt, sobald der Eindruck aufkommt die Sinne haben sich fest etabliert und erzeugen einen Zustand wie bei kleinen Tieren, wenn sie vom Blick einer Schlange fasziniert sind.“

Ich frage mich, ob Sargant sich selbst die Schlange vorgestellt hat …

Sargant gibt endlich zu:

„Dies bedeutet nicht, dass alle Personen auf diese Weise wirklich indoktriniert werden können. Einige werden sich den Anforderungen, die an sie gestellt werden, nur vorübergehend unterwerfen und erneut kämpfen, wenn die Kraft von Körper und Geist zurückkehrt. Andere werden durch das Aufkommen des Wahnsinns gerettet. Oder der Wille zum Widerstand kann nachgeben, aber nicht der Intellekt selbst.“

Doch als Antwort auf diesen hartnäckigen Widerstand tröstet er sich: „Wie in einem früheren Zusammenhang erwähnt, stehen den Versagern normalerweise der Scheiterhaufen, der Galgen, das Erschießungskommando, das Gefängnis oder das Irrenhaus zur Verfügung.“

Wie Sie der Dekonstruktion Ihres Geistes widerstehen können

„Wen die Götter vernichten wollen, den machen sie zuerst wahnsinnig.“

– Henry Wadsworth Longfellow „Die Maske von Pandora“

Denjenigen, die den Psychothriller „Gaslight“ von 1944 unter der Regie von George Cukor noch nicht gesehen haben, würde ich diesen wärmstens empfehlen, da darin eine unschätzbare Lektion enthalten ist die besonders auf das anwendbar ist, was viele von uns heute erleben.

Die Geschichte beginnt mit einer 14-jährigen Paula (gespielt von Ingrid Bergman), die nach Italien gebracht wird, nachdem ihre Tante Alice Alquist, eine berühmte Opernsängerin und Vormund von Paula, ermordet in ihrem Haus in London aufgefunden wurde. Paula ist diejenige, die die Leiche gefunden hat und voller Entsetzen ist sie nie wieder ihr altes Ich. Ihre Tante war die einzige Familie, die Paula in ihrem Leben noch hatte. Die Entscheidung wird getroffen, sie von London nach Italien zu schicken, um ihr Studium fortzusetzen und eine weltberühmte Opernsängerin wie ihre Tante Alice zu werden.

Die Jahre vergehen, Paula lebt ein sehr behütetes Leben und eine schwere Düsternis ist immer in ihr präsent, sie scheint nie irgendeine Art von Glück empfinden können. Während ihres Gesangsstudiums trifft sie einen mysteriösen Mann (ihr Klavierbegleiter während ihres Unterrichts) und verliebt sich unsterblich in ihn. Allerdings weiß sie kaum etwas über den Mann namens Gregory.

Paula willigt ein, Gregory nach einer zweiwöchigen Romanze zu heiraten, und lässt sich schnell überzeugen wieder in das Haus ihrer Tante in London zu ziehen, das all die Jahre verlassen war. Sobald sie das Haus betritt, wird sie vom Spuk der Mordnacht erneut heimgesucht und von Panik und Angst erfüllt. Gregory versucht sie zu beruhigen und spricht davon, dass das Haus nur ein bisschen Luft und Sonne brauche, und dann stößt Paula auf einen Brief von einem Sergis Bauer an ihre Tante, der bestätigt, dass er nur wenige Tage vor dem Mord an ihr Kontakt zu Alice hatte. Bei dieser Feststellung wird Gregory bizarr aufgeregt und schnappt sich den Brief von Paula. Er versucht schnell, seine Wut zu rechtfertigen, indem er den Brief für ihre Erregung verantwortlich macht. Gregory beschließt, alle Habseligkeiten ihrer Tante auf den Dachboden zu schließen, um Paula anscheinend weitere Qualen zu ersparen.

An diesem Punkt beginnt Gregory, sein Verhalten dramatisch zu ändern. Immer unter dem Vorwand „Paula zuliebe“ muss alles, was Paula als „aufregend“ empfindet, aus ihrer Anwesenheit entfernt werden. So wird das Haus schnell zu einer Art Gefängnis. Paula wird gesagt, dass es für sie am Besten ist das Haus nicht ohne Begleitung zu verlassen, keine Besucher zu empfangen und dass Selbstisolation das beste Mittel gegen ihre „Ängste“ sei, die sich zum Schlimmsten entwickeln. Paula wird zunächst nie ausdrücklich verboten, sondern ihr wird immer wieder gesagt, dass sie sich zu ihrem eigenen Wohl an diese Beschränkungen halten soll.

Vor einem Spaziergang schenkt Gregory Paula noch eine schöne Erbstückbrosche, die seiner Mutter gehörte. Weil die Anstecknadel ersetzt werden muss, weist er Paula an, sie in ihrer Handtasche aufzubewahren und sagt dann ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen: „Vergiss nicht, wo du sie jetzt hingelegt hast, Paula, ich will nicht, dass du sie verlierst.“ Paula findet die Warnung absurd: „Natürlich werde ich das nicht vergessen!“ Als sie von ihrem Spaziergang zurückkommen, fragt Gregory nach der Brosche, Paula sucht in ihrer Handtasche, aber sie ist nicht da.

Die Handlung setzt sich in der Art weiter fort, dass Gregory Warnungen und Erinnerungen erteilt, scheinbar um Paula mit ihrer „Vergesslichkeit“ und ihren „Ängsten“ zu helfen. Paula beginnt, ihr eigenes Urteilsvermögen und ihren Verstand in Frage zu stellen, da diese Ereignisse immer häufiger werden. Da sie niemanden außer Gregory, mit dem sie sprechen kann, hat, welcher der einzige Zeuge dieser offensichtlichen Pannen ist, kommt es zu einem Punkt, an dem Paula von Gregory völlig unsinniges Verhalten zugeschrieben wird. Eines Nachts fehlt ein Gemälde an der Wand. Gregory spricht mit Paula, als wäre sie ein 5-jähriges Kind und bittet sie, es zurückzuhängen. Paula besteht darauf, dass sie nicht weiß, wer es heruntergenommen hat. Nach ihrem hartnäckigen leidenschaftlichen Beharren darauf, dass sie es nicht war, geht sie fast wie in einem Traumzustand die Treppe hinauf und zieht das Gemälde hinter einer Statue hervor. Gregory fragt, warum sie gelogen hat, aber Paula besteht darauf, dass sie nur daran gedacht hat, dort nachzusehen, weil es dort gefunden wurde, als dies die letzten beiden Male passiert ist.

Seit Wochen glaubt Paula, Dinge zu sehen, die Gasbeleuchtung des Hauses wird grundlos gedimmt, sie hört auch Schritte über ihrem Schlafzimmer. Niemand sonst scheint Notiz davon zu nehmen. Gregory vermittelt Paula auch, dass er herausgefunden hat, dass ihre Mutter, die sehr jung starb, tatsächlich verrückt geworden und in einer Anstalt gestorben war.

Obwohl Paula in einen Zustand anhaltender Benommenheit reduziert wird, beschließt sie eines Nachts Widerstand zu leisten und die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Paula wird von Lady Dalroy, einer engen Freundin ihrer Tante Alice, eingeladen, an einem Abend der High Society mit Musikdarbietungen teilzunehmen. Denken Sie daran, dass sich Paulas Leben vor ihrer Begegnung mit Gregory um Musik drehte. Musik war ihr Leben. Paula zieht sich für den Abend prächtig an und sagt Gregory auf dem Weg nach draußen, dass sie zu dieser Veranstaltung geht. Gregory versucht sie davon zu überzeugen, dass es ihr nicht gut genug geht um an einem solchen gesellschaftlichen Treffen teilzunehmen, doch als Paula ruhig darauf besteht zu gehen und darauf hinweist, dass diese Frau eine liebe Freundin ihrer Tante war, antwortet Gregory, dass er sich weigert sie zu begleiten (was damals eine große Sache war). Paula akzeptiert und geht mit solider Würde und unbeirrt auf die Pferdekutsche zu. In einer sehr aufschlussreichen Szene wird Gregory für einen Moment allein gelassen und von Panik erfasst. Mit hervortretenden Augen klappt er sein Zigarrenetui zu und rennt hinter Paula her. Er ruft ihr lachend zu: „Paula, du hast nicht gedacht, dass ich das ernst meine? Ich hatte keine Ahnung, dass dir diese Party so viel bedeutet. Warte, ich werde mich fertig machen.“ Als er sich vor dem Spiegel fertig macht, erscheint ein teuflisches Grinsen.

Paula und Gregory erscheinen spät zu Lady Dalroys Haus, der Pianist befindet sich mitten im 1. Satz von Beethovens Klaviersonate Nr. 8 in c-Moll. Schnell werden sie zu zwei leeren Plätzen eskortiert. Paula ist sofort in das Stück vertieft und Gregory sieht, dass seine Kontrolle nachlässt. Nach nur wenigen Minuten schaut er auf seine Taschenuhr, aber sie ist nicht in seiner Tasche. „Meine Uhr fehlt“, flüstert er Paula ins Ohr. Paula sieht sofort aus als würde ihr schlecht werden. Gregory nimmt ihre Handtasche und Paula sieht entsetzt aus, als er seine Taschenuhr herauszieht und andeutet, dass Paula sie dort hingelegt hat. Sie beginnt sofort, die Kontrolle zu verlieren und hat einen sehr öffentlichen emotionalen Zusammenbruch. Gregory nimmt sie zur Seite als er Lady Dalroy gegenüber anmerkt, dass er aus diesem Grund überhaupt nicht gewollt hatte, dass Paula erscheint.

Als sie nach Hause kommen ist Paula inzwischen vollkommen dem Gedanken erlegen, dass sie tatsächlich völlig verrückt ist. Gregory sagt, dass es am besten wäre, wenn sie auf unbestimmte Zeit irgendwohin gehen würden. Wir finden später heraus, dass Gregory beabsichtigt, sie in eine Anstalt zu bringen. Paula willigt ein, London mit Gregory zu verlassen und überlässt ihr Schicksal ganz seinen Händen.

Im Fall von Paula ist es klar. Sie hat vermutet, dass Gregory etwas mit ihrer „Situation“ zu tun hat, aber er hat sehr geschickt eine Umgebung geschaffen in der Paula selbst zweifelt, ob es sich um eine unergründliche Schurkerei handelt oder ob sie tatsächlich verrückt wird.

Vielmehr zweifelt sie an sich selbst, eben weil sie nicht verrückt ist, da es offensichtlich keinen Grund dafür gibt, warum Gregory so viel Zeit und Energie darauf verwenden sollte, es so aussehen zu lassen. Aber was wäre wenn der Grund dafür, dass sie an ihren Wahnsinn glaubt, einfach eine Frage der Kontrolle wäre?

Paula gelang es fast die Oberhand in diesem Machtkampf zu gewinnen an dem Abend, indem sie beschloss alleine auszugehen, ganz gleich dass Gregory darauf beharrte, dass es in ihrem besten Interesse sei. Wenn sie bei Lady Dalroy standgehalten und einfach geantwortet hätte: „Ich habe keine Ahnung, warum Deine dumme Uhr in meiner Handtasche gelandet ist und es ist mir egal. Hör jetzt auf diese Aufführung zu unterbrechen, Du machst eine peinliche Szene!“, wäre Gregorys Bann so einfach gebrochen worden. Wenn er sich bei anderen über die Situation beschwert hätte, würden sie sicherlich auch antworten: „Wen interessiert das, Mann, warum bist du so besessen von deiner verdammten Uhr?“…

Wir befinden uns heute in einer ganz ähnlichen Situation wie Paula. Und die Stimme von Gregory wird durch die Erzählung falscher Nachrichten und die apokalyptische sozialbehavioristische Programmierung in unseren Unterhaltungsformen repräsentiert. Dinge, denen sich die meisten Menschen täglich, wenn nicht sogar stündlich freiwillig unterwerfen. Sie sozial zu konditionieren, wie ein Rudel speichelnder Pawlowscher Hunde, zu denken, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Welt untergeht, und mit einem Läuten der Glocke ihres Herrn … gehen sie sich gegenseitig an die Kehle.

Paula wird am Ende von einem Mann namens Joseph Cotten (einem Detektiv) gerettet, der es bemerkte und schnell erkannte, dass etwas nicht stimmte. Am Ende wird Gregory festgenommen. Es zeigt sich, dass Gregory tatsächlich Sergis Bauer ist. Dass er Alice Alquist getötet hat und nach all den Jahren auf der Suche nach den berühmten Juwelen der Opernsängerin an den Tatort zurückgekehrt ist. Die Juwelen waren in der Tat ziemlich wertlos, da sie zu berühmt waren, um verkauft zu werden, aber Gregory hatte nie vor, diese Juwelen zu verkaufen, sondern war von dem Wunsch besessen, sie nur zu besitzen.

Das heißt, es ist Gregory, der die ganze Zeit völlig verrückt war.

Ein Gregory ist allerdings absolut gefährlich. Um haaresbreite wäre er das Ende von Paula gewesen, wenn nichts dazwischengekommen wäre. Die Macht, die Gregory hatte, war jedoch von dem Grad abhängig den Paula ihr erlaubte sie zu kontrollieren. Paulas extreme Dekonstruktion hing somit vollständig von ihrer Entscheidung ab, die Stimme von Gregory hereinzulassen. Das heißt, ein Gregory ist nur dann gefährlich, wenn wir uns erlauben, in den Alptraum zu schlafwandeln, den er für uns konstruiert hat.

„Wenn ich ein Wort benutze“, sagte Goggelmoggel in recht hochmütigem Ton „dann heißt es genau, was ich für richtig halte – nicht mehr und nicht weniger.“
„Es fragt sich nur,“ sagte Alice „ob man Wörter einfach etwas anderes heißen lassen kann.“
„Es fragt sich nur“, sagte Goggelmoggel „wer der Stärkere ist, weiter nichts.“

– Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“

Cynthia Chung

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